Go to Top

Nebenkosten vor Einzug angefallen – Muss der neue Mieter zahlen?

Sind Mieter gerade erst in eine neue Wohnung eingezogen ist meist das letzte was sie erwarten, eine Nebenkostennachzahlung. Aber unerwartet kommt oft und dann stellt sich die Frage: Was muss der neue Mieter zahlen? Kann es sein, dass man Nebenkosten zahlen soll, die vor dem Einzug angefallen sind? Darf der Vermieter so abrechnen? Ganz juristisch gesagt, kommt es für die Antwort mal wieder ganz darauf an, was im Mietvertrag vereinbart ist und um welche Nebenkosten es genau geht. Im Einzelfall kann es dann nämlich tatsächlich dazu kommen, dass man als Mieter anteilig Nebenkosten trägt, die vor dem Einzug entstanden sind. Wann das der Fall ist und wann nicht erfahren Sie hier.

Der nachfolgende Artikel erklärt, ob der neue Mieter Nebenkosten zu zahlen hat, die vor seinem Einzug angefallen sind.

I. Das sind die zulässigen Abrechnungsmethoden des Vermieters

Vermieter können grundsätzlich zwischen zwei Möglichkeiten der Abrechnung der Nebenkosten wählen. Die eine ist die Abrechnung nach dem Abflussprinzip und die andere nach dem Leistungsprinzip. Je nach dem, welche Abrechnungsmethode der Vermieter verwendet, kann es tatsächlich dazu kommen, dass Mieter rechtmäßig mit Nebenkosten belastet werden, die vor dem Einzug angefallen sind. Mieter haben diese Nebenkosten dann auch zu zahlen.

1. Abrechnung nach dem Abflussprinzip

Bei dem sog. Abflussprinzip rechnet der Vermieter die Nebenkosten ab, die er selbst innerhalb des Abrechnungszeitraums als Ausgaben trägt. Das bedeutet, er setzt all die Kosten an, für die er im Abrechnungszeitraum Rechnungen bekommt und bezahlt. Unbezahlte Rechnungen kann er nur dann als Nebenkosten ansetzen, wenn diese gegenüber dem Vermieter fällig sind.

Beispiel: Der Vermieter V rechnet für die Mietwohnung des Mieters M auf der Basis des Abflussprinzips ab. Der Abrechnungszeitraum ist immer das Kalenderjahr. M ist am 01.11.2017 in die Mietwohnung eingezogen und erhält im September 2018 die Nebenkostenabrechnung für das Kalenderjahr vom 01.01.2017 bis 31.12.2017. Darin sind u.a. anteilig für die Monate November und Dezember 2017 „Gärtnerkosten“ enthalten. Der Vermieter hat die Rechnung des Gärtners für die Beschneidung der Hecken und die Pflanzarbeiten im Juli 2017 im September 2017 erhalten und sofort bezahlt.

  • Der Rechnungsbetrag der Gärtnerkosten ist grds. ordnungsgemäß auf den Mieter M umgelegt. M hat die umgelegten Gärtnerkosten zu zahlen, obwohl er zum Zeitpunkt der Arbeiten des Gärtners noch nicht in die Mietwohnung eingezogen war.

2. Abrechnung nach dem Leistungsprinzip

Bei der Abrechnung der Nebenkosten nach dem sog. Leistungsprinzip legt der Vermieter ausschließlich die Nebenkosten um, die der Mieter in dem jeweiligen Abrechnungszeitraum verbraucht. Da diese Methode weder auf eine Rechnungsstellung oder Fälligkeit der Nebenkosten beim Vermieter beruht, wird sie auch als Verbrauchsprinzip bezeichnet. Bei dieser Abrechnungsmethode kann es daher nicht vorkommen, dass der Mieter Nebenkosten zahlt, die vor seinem Einzug angefallen sind.

3. Ohne Vereinbarung hat der Vermieter grds. freie Wahl der Abrechnungsmethode

Ist im Mietvertrag keine bestimmte Abrechnungsmethode vereinbart, kann der Vermieter die Art der Abrechnung grds. frei wählen (BGH, Entscheidungen vom 20.02.2008, Az.: VIII ZR 49/07 und Az.: VIII ZR 27/07). Der BGH urteilte dazu ausdrücklich, dasseine Abrechnung der Nebenkosten nach dem Abflussprinzip ordnungsgemäß ist.

Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen:

a) Ausnahme 1: Keine absolute Wahlfreiheit bei Mieterwechsel

Nach dem Grundsatz von Treu und Glauben aus § 242 BGB hat, der Vermieter die Nebenkosten bei einem Mieterwechsel gerecht zu verteilen. Das bedeutet auch, dass ein neuer Mieter nicht nachteilig mit Nebenkosten belastet werden kann, die vor dem Einzug entstanden sind. Bei der Abrechnung nach dem Abflussprinzip kann das aber vorkommen. So z.B., wenn der Vermieter jährliche Rechnungen eines Service für die Vorjahre erhält: Zieht der Mieter z.B. im Januar 2018 ein und der Vermieter bekommt 2018 die Rechnung für den Hausmeisterservice 2017/2016, dann wäre das ohne die Einschränkung aus § 242 BGB ein zulässiger und umlagefähiger Nebenkostenpunkt, nach dem Abflussprinzip. In einem solchen Fall ist daher die Wal des Abflussprinzips ein Verstoß gegen Treu und Glauben. Die Abrechnung hat dann auf derBasis des Leistungsprinzips zu erfolgen.

b) Ausnahme 2: Abflussprinzip bei den Heizkosten nur teilweise zulässig

Bei der Abrechnung der Heizkosten ist eine vollständige Abrechnung nach dem Abflussprinzip ebenfalls unzulässig. Heizungs- und Warmwasserkosten sind nämlich nach dem Gesetz zumindest teilweise verbrauchsabhängig abzurechnen, § 7 Abs. 2 Heizkostenverordnung (HeizkostenV). Der Vermieter hat mindestens 50 % der Heiz- und Warmwasserkosten verbrauchsabhängig abzurechnen. Das heißt für das Abflussprinzip, dass allenfalls 50 % der tatsächlichen Kosten einer Rechnung für Heiz- und Warmwasserkosten angesetzt werden können und der Rest muss dem tatsächlichen Verbrauch im Abrechnungsjahr entsprechen (BGH, Entscheidung vom 01.02.2012, Az.: VIII ZR 156/11). Im Falle des Mieterwechsels gehen die Einschränkungen sogar noch weiter (s.u.).

II. Nebenkosten vor Einzug sind nur anteilig umlagefähig

Neben der Wahl der Abrechnungsmethode hat der Vermieter bei jedem Mieterwechsel in einem Abrechnungszeitraum auch darauf zu achten, wie er die Nebenkosten zwischen dem alten und neuen Mieter aufteilt. Dabei muss er zwischen den verbrauchsunabhängigen und verbrauchsabhängigen Nebenkosten unterscheiden.

Bei den verbrauchsunabhängigen Kosten, wie z.B. Steuern, Versicherungen, Hausmeisterkosten. Reinigungskosten etc. kann er die Gesamtnebenkosten für eine Mietwohnung im Einzugszugsjahr nach der Mietdauer des neuen und alten Mieters aufteilen. So erhält z.B. der neue Mieter, der im November eingezogen ist, eine Abrechnung in der er anteilig 2/12 aller verbrauchsunabhängigen Nebenkosten trägt.

Bei den verbrauchsabhängigen Heiz- und Warmwasserkosten muss die Aufteilung nach dem tatsächlichen Verbrauch erfolgen. Das bedeutet, der Vermieter hat Zwischenablesungen der Zählerstände zum Zeitpunkt des Mieterwechsels vorzunehmen (BGH, Urteil vom 14.11.2007, Az.:  VIII ZR 19/07). Ist das nicht möglich kann der Vermieter die Heiz- und Warmwasserkosten zeitanteilig oder nach Gradtagszahlen aufteilen, § 9b Abs.3 HeizkostenV.

Mehr zur Aufteilung der Nebenkosten beim Mieterwechsel können Sie hier nachlesen: Nebenkosten nach Auszug angefallen – Muss der Mieter zahlen? und  Wie funktioniert die Nebenkostenabrechnung beim Mieterwechsel?

III. Fazit

Mieter können tatsächlich auch mit Nebenkosten belastet werden, die vor dem Einzug angefallen sind. Zulässig ist das allerdings nur, wenn es sich um verbrauchsunabhängige Nebenkosten handelt und diese anteilig für das Jahr des Einzugs berechnet werden. In allen anderen Fällen muss der neue Mieter nicht zahlen. Insbesondere Heizkosten die vor dem Einzug entstanden sind, können in der Regel nicht auf den neuen Mieter umgelegt werden.

18 Antworten auf "Nebenkosten vor Einzug angefallen – Muss der neue Mieter zahlen?"

  • Klaus Kratzer
    30. November 2020 - 12:56 Antworten

    Sehr geehrte Damen u. Herren
    das Doppelhaus wurde zum 01.12.2019 vermietet, Mietvertrag wurde am 27.10.2019 unterschrieben.
    Am 07.11.2019 wurden Wartungsarbeiten an der Ölheizung und die Reinigung durchgeführt.
    Die Kosten hierfür waren 249,90 Euro.
    Kann dies in die Nebenkostenabrechnung eingerechnet werden?
    Herzlichen Dank für Ihre Antwort
    Klaus Kratzer

    • Dennis Hundt
      3. Dezember 2020 - 08:20 Antworten

      Hallo Klaus,

      der Mieter wird sich hier i.d.R. zu 1/12tel an den Kosten beteiligen müssen.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

  • Meyer
    3. Dezember 2020 - 22:48 Antworten

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    Vielen Dank für die Information, der Artikel ist gut geschrieben, verständlich und sehr hilfreich. Folgende Frage hat sich in meinem Fall noch ergeben: Im Vorjahr waren nach Renovierung ab Juli Mieter eingezogen. Die Wartung der Heizung im Dezember wurde komplett umgelegt, Abflussprinzip. Im folgenden Jahr gab es einen Mieterwechsel zum Dezember. Können die Wartungskosten für die Heizung komplett den neuen Mietern zugeordnet werden?
    Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort.
    Mit freundlichen Grüßen
    Meyer

    • Dennis Hundt
      4. Dezember 2020 - 09:02 Antworten

      Hallo Herr / Frau Meyer,

      die Kosten fallen z.B. in das Jahr 2019 und werden zu 6/12tel vom ausziehenden Mieter und zu 6/12tel vom einziehenden Mieter im Jahr 2019 gezahlt.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

  • ANTONIA
    31. Dezember 2020 - 08:30 Antworten

    Hallo, wir sind im September 2019 eingezogen. Uns wurden nun Kosten für einen winterdienst von November 2018 bis März 2019 in Rechnung gestellt. Ist das rechtens? Wir sind die ersten Mieter unserer Vermieter, da diese die Wohnung erst kurz vorher gekauft haben.
    Danke

    • Dennis Hundt
      4. Januar 2021 - 16:49 Antworten

      Hallo ANTONIA,

      ja, es ist möglich, dass Sie auch zeitanteilig an Kosten beteiligt werden, die vor Ihrem Einzug entstanden sind.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

  • Sebastian Brandt
    1. Januar 2021 - 15:09 Antworten

    Hallo,

    Ich bin zum 1.1.2020 in meine Wohnung eingezogen, die Schlüssel habe ich am 23.12.2020 übernommen.
    Fristgerecht flatterte nun eine NK-Abrechnung ins Haus für das Jahr 2019.
    Der Vermieter möchte hier also noch für eine Woche abrechnen. Soweit so gut.
    Allerdings erscheinen mir die Heizungskosten in der Abrechnung zu hoch, so dass ich mich frage, was hier vom Vermieter zulässig abgerechnet werden kann.
    Im Text stand was von nutzerunabhängigen Kosten. Wenn ein Posten aber 70% Verbrauchskosten lautet klingt das für mich nicht mieterunabhängig. Sehe ich das hier falsch?!

    Frohes neues Jahr und viele Grüße
    Sebastian Brandt

  • Riederer
    5. Januar 2021 - 12:22 Antworten

    Hallo,

    Ich wohne seit Oktober 2018 in einer WG. Meine Mitbewohner sind ebenso erst frühestens 2018 eingezogen. Nun haben wir gesagt bekommen, dass es noch offene Betriebsnebenkosten von 2015-2017 gibt, die wir zahlen sollen. (Zu diesem Zeitpunkt hat niemand von uns dort gewohnt). Sie haben uns die Nebenkostenabrechnungen nach Anfrage über E-Mail gesendet und diese sind an die Vormieter adressiert. Jedoch haben wir nur Zusatzvereinbarungen zum Einzug bekommen und keinen neuen Mietvertrag. Müssen wir das jetzt alles nachzahlen?

  • Gloria
    17. März 2021 - 12:33 Antworten

    Hallo,

    wir sind erst im Januar 2019 in unsere Wohnung eingezogen. Die erst in diesem Monat fertig geworden ist. Nun hat uns eine NK Abrechnung erreicht, in der wir Heizkosten für den 01.08.18-31.12.18 mit zahlen sollen. Ist dies rechtens?

    Viele Grüße,
    Gloria

    • Dennis Hundt
      17. März 2021 - 14:16 Antworten

      Hallo Gloria,

      als Mieter zahlen Sie die Nebenkosten mit Mietvertragsbeginn. Als Eigentümer zahlen Sie das Hausgeld in der Regel ab Nutzen-Lasten-Werchsel.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

  • Sandra Fiege
    11. Mai 2021 - 16:29 Antworten

    Der Vertrag wurde einvernehmlich zum 01.04.xxxx aufgehoben. Die Abnahme wurde aufgrund von Mängeln, welcher der Mieter bis zum 10.04. behob, verschoben. Dann konnte ein neuer Mieter zum 11.04.xxxx einziehen, welcher eigentlich zum 01.05. angemietet hatte. Wäre es rechtlich möglich, die Betriebskosten bis zum Abnahme bzw. ab Übergabetermin zu berechnen?
    Als Erweiterung:
    Im Haus gibt es Fernwärme, welche direkt mit den Mietern abrechnet und ausschließlich auf Vertragsbeginn und Vertragsende abstellt. Kann der Vermieter diese Betriebskosten / diesen Schaden, die Ihm nun entstehen, da der Fernwärmeversorger Ihn für die Zwischenzeit in Anspruch nimmt, in die Endabrechnung aufnehmen?

  • Rene
    7. Juni 2021 - 14:34 Antworten

    Hallo Herr Hundt,

    wir sind zum 01.04.2020 in unsere neue Wohnung eingezogen. Auf der Nebenkostenabrechnung habe ich einen Posten Heiznebenkosten vom 01.09.2019. Das aufgeführte Unternehmen hat was mit Gas- Wasser zu tun. Muss ich diese Kosten übernehmen?

    Danke im Vorraus für Ihre Antwort.
    Grüße René

    • Dennis Hundt
      8. Juni 2021 - 19:45 Antworten

      Hallo Rene,

      hinterfragen Sie die Position beim Vermieter. Ich könnte mir vorstellen, dass es sich um anteilige Wartungskosten handelt.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

  • Florin
    10. August 2021 - 11:10 Antworten

    Hallo Herr Hundt,

    ich bin zum 01.10.2020 umgezogen und nun habe ich in der Nebenkostenabrechnung Aufwendungen für Sperrmüll in Höhe von € 250,- zu zahlen (€ 10.000,- für das gesamte Haus), welche aber vor meinem Einzug entstanden sind.

    Als Begründung hierfür wird folgendes aufgeführt: „In einzelnen Fälllen sind die Sperrmüllkosten im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Im Abrechnungsjahr 2020 hatten wir mittels einen Aushangs aufgefordert, die Keller und Dachböden zu entrümpeln. Da man unsere Aufforderung nicht nachgekommen ist, haben wir einen Dienstleister für die Entrümpelungen beauftragt. Die dadurch entstandenen Kosten haben in diesen Fällen umgelegt.“

    Diese „Entrümpelungsaktion“ diente dem Zweck, Platz für die bevorstehenden Sanierungsarbeiten zu schaffen.

    Muss ich diese Kosten tragen?

    Viele Grüße
    Florin

    • Dennis Hundt
      10. August 2021 - 12:03 Antworten

      Hallo Florin,

      Sie tragen diese Kosten zeitanteilig, also zu 3/12tel. Genauso tragen Sie z.B. auch die Kosten für den Winterdienst (Januar bis März 2020) zu 3/12tel.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.