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Nebenkostenabrechnung: Wann zahlen? (Zahlungsfrist für Mieter und Vermieter)

Bei der Nebenkostenabrechnung gibt es für Vermieter die Abrechnungsfrist und die Frist für Berichtigungen zu beachten. Für Mieter ist die Einwendungsfrist von entscheidender Bedeutung. Doch gibt es auch eine Zahlungsfrist? Wann sind eigentlich bei der Nebenkostenabrechnung die Nachzahlung und das Guthaben zu zahlen. Gibt es genaue gesetzliche Fristen? Was ist, wenn Zweifel an der Richtigkeit der Abrechnung bestehen? Eine steht fest: Sowohl Mieter als auch der Vermieter haben hier ein Interesse an einer schnellen Bezahlung.

Der folgende Artikel erklärt Mietern und Vermietern alles Wissenswerte zur Zahlungsfrist bei der Nebenkostenabrechnung.

I. Zahlungsfrist für Mieter (bei einer Nachzahlung)

Wird in der Nebenkostenabrechnung eine Nachzahlung gefordert, ist diese sofort zur Zahlung fällig nach § 271 Abs. 1 BGB. Nur wenn der Vermieter in der Abrechnung selbst oder in dem Mietvertrag eine andere Zahlungsfrist gewährt, ist diese ausschlaggebend. Selbst wenn der Mieter Zweifel an der Richtigkeit der Nebenkostenabrechnung hat, muss er erstmal zahlen.

Eine Ausnahme besteht nur dann, wenn die Abrechnung die formellen Anforderungen an eine Nebenkostenabrechnung nicht erfüllt. Dies ergibt sich daraus, dass der Anspruch des Vermieters auf Zahlung der Nebenkosten nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs grundsätzlich nur mit der Erteilung der formell ordnungsgemäßen Abrechnung fällig wird (BGH, Urteil vom 08.03.20006, Az.: VIII ZR 78/06).

Ausgehend von der sofortigen Zahlungsfälligkeit wird bei allen Entgeltforderungen immer erst 30 Tage nach der Fälligkeit und dem Rechnungserhalt ein Zahlungsverzug angenommen (§ 286 Abs. 3 BGB).

Das bedeutet solange der Mieter die Nebenkostennachzahlungen innerhalb von 30 Tagen nach Abrechnungserhalt begleicht, drohen ihm keine Verzugsfolgen, wie z.B. Zinsen oder ähnliches.

Praxistipp für den Mieter: Eine Zahlung der Ansprüche aus der Nebenkostenabrechnung sollte innerhalb von 30 Tagen nach dem Zugang beim Mieter erfolgen. Zweifelt der Mieter an der Richtigkeit der Nebenkostenabrechnung kann die Nachforderung auch unter Vorbehalt gezahlt werden. Insoweit ist allerdings zu empfehlen, den Vermieter zusätzlich schriftlich auf den Grund der Vorbehaltszahlung hinzuweisen und die Einwendungen vorzubringen. Weiter Details zur Zahlung unter Vorbehalt finden Sie hier: Warum und wann sollte man eine Nebenkostennachzahlung unter Vorbehalt zahlen?.

II. Zahlungsfrist für Vermieter (bei einem Guthaben)

Ergibt sich bei der Nebenkostenabrechnung ein Guthaben für den Mieter bestimmt sich die Zahlungsfrist ebenfalls nach § 271 Abs. 1 BGB und § 286 Abs. 3 BGB. Der Anspruch des Mieters auf Auszahlung des Guthabens wird mit dem Zugang der formell ordnungsgemäßen Nebenkostenabrechnung beim Mieter fällig. Das Guthaben ist daher ebenfalls innerhalb von 30 Tagen an den Mieter auszuzahlen um die Verzugsfolgen auszuschließen (vgl. obige Ausführungen).

III. Fazit

Die Zahlungsfrist bei der Nebenkostenabrechnung ist, ohne eine separate vertragliche Vereinbarung, regelmäßig wie folgt zu veranschlagen:

  • Bei einer Nachzahlung max. 30 Tage Zahlungsfrist
  • Bei einem Guthaben max. 30 Tage Zahlungsfrist

8 Antworten auf "Nebenkostenabrechnung: Wann zahlen? (Zahlungsfrist für Mieter und Vermieter)"

  • Nadine Kindermann
    30. Oktober 2017 - 15:36 Antworten

    Guten Tag Herr Hundt,

    wir haben am 31.08.2017 unser Mietobjekt an den Vermieter ordnungsgemäß übergeben und keine Mängel wurden festgestellt. Nun verlangt der Vermieter 3 Monate später 150 € pauschal für angebliche Reparaturen, die nicht genauer benannt werden, noch mit Rechnungen belegt wurden. Gleichzeitig steht noch die Nebenkostenabrechnung vom 30.03.2017-30.03.2018 aus, die ein Guthaben haben wird. Wir werden diese 150 € nicht zahlen. Nun meine Frage, kann der Vermieter von dem Guthaben der Nebenkosten 150€ einfach einbehalten?

    Vielen Dank für Ihre Antwort.

    • Dennis Hundt
      30. Oktober 2017 - 16:34 Antworten

      Hallo Nadine,

      kann er es: ja. darf er es: bei unbegründeten Forderungen natürlich nicht.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

  • Burkhardt Kramer
    12. Januar 2018 - 20:01 Antworten

    Hallo, bei der Nebenkostenabrechnung erhöhte sich eine Position (Dienstleistung) von 78,84 € im Jahr 2014 auf 159,73 € im Jahr 2015. Die Befragung nach dem Grund der Preiserhöhung wurde vom Vermieter ignoriert. Darauf zahlte ich diese Position unter Vorbehalt. Im Jahr 2016 erfolgte wiederum eine Erhöhung auf 198 €. Diese Betrag wurde auch nicht begründet. Ich wies auf die Wirtschaftlichkeit gegenüber dem Mieter hin und verweigerte die Zahlung dieser Position bis eine Klärung erfolgt.Bin ich dazu berechtigt?

    • Dennis Hundt
      13. Januar 2018 - 15:12 Antworten

      Hallo Burkhardt,

      in jedem Fall haben Sie ein Recht auf Einsicht in die Belege – hieraus wird sich i.d.R. die Frage nach der Erhöhung klären lassen.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

  • A. Haeussler
    1. Februar 2018 - 18:19 Antworten

    Ein Vermieter macht seit 7 Jahren keine Nebenkostenabrechnungen, einer Andeutung nach zu urteilen vermutlich deshalb weil der Mieter noch Gelder zurück bekommt. Hat der Mieter Anspruch auf die Abrechnungen der vergangenen 7 Jahre oder verjähren auch in diesem Fall zurückliegende Zeiträume?

  • Katrin Junghans
    26. April 2018 - 23:36 Antworten

    Hallo Herr Hundt,
    ich hatte meine Mieter aufgefordert ihre Nebenkostenvorauszahlungen zu erhöhen, da der Verbrauch sehr hoch war, damit waren Sie einverstanden. Nun bin ich in 2017 dieser Erhöhung von 45 €, monatelang hinterhergelaufen, trotz Erinnerung und Mahnung erfolgte keine Zahlung. Im Februar 2018 wurde diese Nachzahlung mit Drohung dann bar bezahlt.
    Kann ich meinen Mietern Zinsen, Mahngebühren oder Bearbeitungsbebühren jetzt bei der Abrechnung auferlegen? Welchen Zahlbetrag kann/muss ich hier offiziell und korrekt als Einnahme buchen, da doch der eine Teil Nachzahlung erst in 2018 geleistet wurde?

    Vielen lieben Dank

    • Dennis Hundt
      29. April 2018 - 18:39 Antworten

      Hallo Katrin,

      ich würde die „Nachzahlung“ der Vorauszahlung in das Jahr 2017 buchen. Zu möglichen Mahngebühren sollten Sie in den Mietvertrag schauen und kurz online recherchieren.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

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